# Ledergerbung

> Rohhaut, Eichenrinde und monatelange Grubengerbung

- Datum: um 1.500 v. Chr.
- Epoche: Antike
- Bereich: [Werkstoffe & Chemie](https://lastcodex.org/de/domains/materials/)
- Stufe: II (Sesshaftigkeit)
- Schwierigkeit: 2/5
- URL: https://lastcodex.org/de/inventions/leather-tanning/

Das Gerben macht aus roher Tierhaut, die nass rasch fault und trocken hart wie Holz wird, ein Leder, das geschmeidig bleibt und der Fäulnis weit besser widersteht. Bei der Grubengerbung wird die Haut von Haaren und Fleisch befreit und dann monatelang in Wasser mit gemahlener Eichenrinde gelagert, deren Gerbstoffe sich an die Fasern binden.

![Ledergerbung · Rohhaut, Eichenrinde und monatelange Grubengerbung](https://lastcodex.org/_astro/plate.D6Qes2Ty_Z24GJMW.webp)

## Legende

1. Gerberbaum
2. Zweigriffiges Schabmesser
3. Haut beim Enthaaren und Entfleischen
4. Kalkäscher
5. Schicht gemahlener Eichenrinde
6. Haut in der Lohgrube
7. Lohbrühe

## Was es ist

![Ein angeschnittener Lederblock mit glatter Narbenseite über einer Schicht verflochtener Fasern, daneben ein Stück Rohhaut mit Haaren](https://lastcodex.org/_astro/v2.DZWo_Xdh_20bWD.webp)
_Leder im Schnitt, vergrößert: oben der glatte Narben, darunter das Geflecht der Kollagenfasern. Daneben rohe Haut mit Haar._

Eine frische Haut besteht vor allem aus Wasser und Kollagen, einem Eiweiß, das ein dichtes Fasergeflecht bildet. Bei warmem Wetter beginnt sie nach wenigen Tagen zu faulen. Trocknet sie vorher, wird sie zu Rohhaut, hart und hornig, die im Wasser weich wird und fault, wenn sie nass bleibt.

Leder ist eine Haut, deren Fasern so verändert wurden, dass sie beidem widersteht. Es kann nass werden und wieder trocknen, mit weit geringerer Gefahr, zu faulen oder steif zu werden, es lässt sich schneiden, nähen und formen, und trocken gelagert hält es Jahrhunderte. Schuhe, Geschirre, Eimer und Blasebälge wurden daraus gemacht. Jäger machten Felle mit Fett und Rauch weich, später nahm man Alaun, und heute wird das meiste Leder mit Chromsalzen gegerbt. Diese Tafel zeigt das Verfahren, das in Europa und am Mittelmeer rund zweitausend Jahre lang üblich war: die pflanzliche Gerbung mit Rinde, in Gruben.

## Wie es funktioniert

Viele Pflanzen speichern Gerbstoffe, bittere Verbindungen, die sie vor Insekten und Pilzen schützen. Eichenrinde ist reich daran, ebenso Kastanienholz, Sumachblätter, Eichengallen und Akazienschoten. Gemahlene Rinde, in Wasser eingeweicht, ergibt eine braune Flüssigkeit, die Gerber Lohbrühe nannten.

In dieser Brühe dringen die Gerbstoffmoleküle zwischen die Kollagenfasern einer gereinigten Haut und lagern sich an vielen Stellen an. So umhüllt, verkleben die Fasern beim Trocknen nicht mehr, und Bakterien bauen sie viel langsamer ab. Aus der Haut wird festes, braunes Leder.

Der Gerbstoff wandert von außen nach innen. Eine starke Brühe gleich zu Beginn würde die äußeren Schichten verschließen und einen rohen Kern zurücklassen. Deshalb kamen die Häute zuerst in schwache, schon gebrauchte Brühe und dann über Wochen und Monate in immer stärkere.

Zuerst muss die Haut aufgeschlossen werden. Kalkwasser oder eine Lauge aus Holzasche lässt sie quellen, lockert die Haarwurzeln und löst einen Teil des Fetts und der weichen Eiweiße. Danach lassen sich Haare und Oberhaut abschaben und die Fleischseite säubern, sodass der Gerbstoff von beiden Seiten eindringen kann.

## Bauanleitung

Hier in Grundzügen das traditionelle Rindenverfahren der Gerbereien, übertragen auf eine einzelne Kuhhaut; es ist kein erprobtes Rezept. Rechnen Sie mit fast einem Jahr. Sie brauchen die Haut eines gesunden Tieres bekannter Herkunft, dichte Bottiche oder Fässer, Kalkhydrat oder Holzasche, viel getrocknete Eichenrinde, einen hölzernen Gerberbaum und ein stumpfes Schabmesser mit zwei Griffen.

**Weichen und äschern.** Eine gesalzene Haut ein bis zwei Tage in sauberem Wasser weichen, bis sie schlaff ist, dann in Wasser mit Kalkhydrat oder Aschenlauge legen und täglich umrühren. Die Haut ist so weit, wenn sich die Haare mit dem Daumen herausschieben lassen.

**Enthaaren und entfleischen.** Die Haut mit der Haarseite nach oben über den schrägen Baum legen und das stumpfe Messer vom Körper weg schieben, um die Haare abzustreifen. Umdrehen und die Fleischseite von Fett und Häuten befreien. Den Kalk in mehreren Wasserbädern so gut wie möglich auswaschen, denn Kalkreste in der Haut verderben die Gerbung; die schwache, leicht saure Brühe des nächsten Schritts nimmt den Rest auf.

![Zwei Hände schälen mit einem flachen Holzwerkzeug einen langen Rindenstreifen von einem Eichenstamm, daneben eingerollte Rindenstücke](https://lastcodex.org/_astro/v1.D19S2xzA_Z1XRTc0.webp)
_Eichenrinde wird im Frühjahr geschält, wenn der Saft sie vom Holz löst._

**Rinde vorbereiten.** Gefällte Eichen im Frühjahr schälen, die Rinde trocknen, mahlen und einige Tage in Wasser ziehen lassen.

**In der Grube gerben.** Die Haut zuerst in schwache Brühe legen und einige Wochen lang täglich bewegen. Dann flach oder gefaltet zwischen zwei Schichten gemahlener Rinde in einen Bottich legen und mit stärkerer Brühe bedecken. Gerbereien stapelten so viele Häute in einer Grube. Rinde und Brühe alle paar Monate erneuern. Bei J & F J Baker in Devon, der letzten traditionellen Eichenlohgerberei Großbritanniens, liegen die Häute drei Monate in der Brühe und weitere neun Monate mit Rinde geschichtet. Zur Probe einen Span aus der dicksten Stelle schneiden: Das Leder ist gar, wenn das Braun ganz durchgedrungen ist und in der Mitte kein heller Streifen bleibt.

**Trocknen und fetten.** Ausspülen, langsam im Schatten trocknen lassen und Öl oder Talg einarbeiten, solange das Leder noch feucht ist.

> **Sicherheit.** Kalk und Aschenlauge sind ätzend und können Haut und Augen verätzen. Tragen Sie dichte Handschuhe, Schutzbrille und Stiefel, und verwenden Sie gelöschten Kalk statt Branntkalk, der sich mit Wasser heftig erhitzt. Spritzer auf der Haut sofort mit viel Wasser abspülen; gelangt Kalk ins Auge, ununterbrochen mit sauberem Wasser spülen und sofort ärztliche Hilfe holen. Rohe Häute können Milzbrandsporen tragen. Sie dringen durch Schnitte ein oder werden mit Staub eingeatmet und verursachen schwere Erkrankungen, und man sieht einer Haut nicht an, ob sie belastet ist. Nur Häute von untersuchten Tieren bekannter Herkunft verwenden, nie von verendet aufgefundenen Tieren, Wunden abdecken, trockene Häute nicht schütteln oder ausklopfen, Hände und Kleidung nach der Arbeit waschen. Bei Verdacht auf eine Ansteckung oder wenn nach der Arbeit mit Häuten eine Wunde, Fieber oder Atemnot auftritt, sofort zum Arzt gehen und den Umgang mit Häuten erwähnen. Kalk- und Lohbrühen verschmutzen Gewässer: In dichten Bottichen weit entfernt von Brunnen, Quellen und Bächen halten und verbrauchte Brühe nie auf den Boden, in die Kanalisation oder in Gewässer gießen, sondern fachgerecht entsorgen.

## Geschichte und Entwicklung

![Eine Hirschhaut, in einen Rahmen aus zusammengebundenen Stangen geschnürt, davor ein in Geweih geschäfteter Feuersteinkratzer und daneben ein kleines rauchendes Feuer](https://lastcodex.org/_astro/v3.XoKAvxBu_20PrgI.webp)
_Lange vor den Lohgruben wurden Felle gespannt, geschabt, mit Fett bearbeitet und geräuchert._

Felle wurden lange vor der Gerbung bearbeitet. In vielen Weltgegenden arbeiteten Jäger Hirn oder andere Fette in eine geschabte Haut ein und räucherten sie dann, damit sie nass werden konnte, ohne hart zu werden. Ötzi, der um 3300 v. Chr. in den Alpen starb, trug Felle von Ziege, Schaf, Hirsch und Kalb, und ein Schuh aus der Höhle Areni-1 in Armenien, datiert auf 3627–3377 v. Chr., besteht offenbar aus Rindsleder. Wie beide behandelt wurden, ist unsicher.

Die pflanzliche Gerbung ist schwer zu datieren: Wie ein antikes Leder behandelt wurde, zeigt nur die chemische Analyse, und Fachleute deuten die Ergebnisse unterschiedlich. Carol van Driel-Murray weist darauf hin, dass Leder der Bronzezeit meist mit Fett, Öl oder Rauch behandelt war. Doch Analysen ägyptischer Leder im Metropolitan Museum, 2017 veröffentlicht, fanden Pflanzengerbstoffe in Objekten des Mittleren oder Neuen Reichs, etwa zwischen 2000 und 1100 v. Chr. Der griechische Botaniker Theophrast schrieb um 300 v. Chr. über Gerbpflanzen, und in Nordwesteuropa kommt gegerbtes Leder mit der römischen Eroberung. In Pompeji arbeitete eine Gerberei mit fünfzehn zylindrischen Becken noch, als der Ausbruch von 79 n. Chr. sie verschüttete.

Die Weißgerbung mit Alaun, die ein Mineralsalz statt Gerbstoff nutzt, lieferte ein helles, weiches Leder, das für Handschuhe geschätzt wurde; Wasser spült das Alaun jedoch heraus, und die Haut kann beim Trocknen wieder hart werden. Die Grubengerbung änderte sich kaum bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, als Chromsalze die Arbeit von Monaten auf Tage verkürzten. Chromgerbung ist ein Industrieverfahren mit giftigen Abfällen und nichts für zu Hause. Lohgares Leder wird bis heute für Sättel, Gürtel und Schuhsohlen hergestellt.

## Kennzahlen

- Dauer in den Gruben: Rund 12 Monate in einer noch arbeitenden englischen Eichenlohgerberei; 1810 bei schweren Ochsenhäuten 11 bis 18 Monate, manchmal 2 Jahre
- Äschern: Einige Tage für Ochsen- und Kuhhäute, zwei bis drei Wochen für Kalbfelle (Praxis um 1810)
- Ältester gefundener Lederschuh: Höhle Areni-1, Armenien, 3627–3377 v. Chr.; wie das Leder behandelt wurde, ist unbekannt
- Älteste in Leder nachgewiesene Pflanzengerbstoffe: Ägyptische Objekte des Mittleren oder Neuen Reichs, etwa 2000–1100 v. Chr. (Analyse veröffentlicht 2017)
- Gerberei von Pompeji: 15 zylindrische Becken, in Betrieb bis zum Ausbruch von 79 n. Chr.

## Erfordert

- [Steinwerkzeuge](https://lastcodex.org/de/inventions/stone-tools/): Die erste Schneide (vor 3,3 Millionen Jahren)
- [Beherrschung des Feuers](https://lastcodex.org/de/inventions/control-of-fire/): Licht, Wärme und Kochen (vor 1 Million Jahren)

## Führt zu

- [Kummet](https://lastcodex.org/de/inventions/horse-collar/): Das Pferd zieht mit den Schultern (um 480)
- [Kolbenpumpe](https://lastcodex.org/de/inventions/piston-pump/): Wasser gehoben mit Kolben und Ventil (um 270 v. Chr.)

## Quellen

- [Tanning (Encyclopaedia Britannica, 4th edition, 1810)](https://jimclifford.ca/early_encyclopedia_britannica/articles/1810/eb_4th_1810_020179.html), Encyclopaedia Britannica, transcribed by Jim Clifford, University of Saskatchewan
- [The Process](https://www.jfjbaker.co.uk/the-process), J & F J Baker & Co., oak bark tannery, Colyton
- [Hide Products](https://www.bookandsword.com/?p=10459), Sean Manning, Book and Sword (after C. van Driel-Murray)
- [First Direct Evidence of Chalcolithic Footwear from the Near Eastern Highlands (Pinhasi et al., 2010)](https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0010984), PLoS ONE
- [Evidence of the use of vegetable tannins in leather tanning in the Middle Kingdom/New Kingdom of ancient Egypt (Elnaggar, 2017)](https://www.icom-cc.org/dlfile.aspx?file=https://www.icom-cc.org/docs/content/ICOMCC-LRM-Newsletter-june-2017.pdf), ICOM-CC Leather and Related Materials Working Group Newsletter
- [The large tannery of Pompeii: from restoration to valorisation](https://pompeiisites.org/en/comunicati/the-large-tannery-of-pompeii-from-restoration-to-valorisation-a-positive-example-of-public-and-private-sector-collaboration/), Archaeological Park of Pompeii
- [Skins & hides: introduction](https://www.lowimpact.org/categories/skins-hides), Lowimpact.org
- [Leather terminology: tawing](https://popovleather.com/pages/leather-terminology-tawing), Popov Leather
- [Anthrax: people at increased risk (animal products)](https://www.cdc.gov/anthrax/animal-products/products.html), Centers for Disease Control and Prevention
- [Hydrated Lime, Safety Data Sheet CASDS06](https://cementaustralia.com.au/sites/default/files/2025-02/CASDS06_Hydrated_Lime.pdf), Cement Australia
- [Clothing of the Iceman](https://www.iceman.it/en/clothing/), South Tyrol Museum of Archaeology

Fakten geprüft am 2026-10-13.

---

The Last Codex · https://lastcodex.org/de/inventions/leather-tanning/ · © The Last Codex. Texte, Tafeln und Figuren: CC BY-NC-ND 4.0.
