# Kalk und Kalkmörtel

> Gebrannter Stein, der wieder Stein wird

- Datum: vor 10.000 Jahren
- Epoche: Vorgeschichte
- Bereich: [Bauwesen & Städte](https://lastcodex.org/de/domains/building/)
- Stufe: II (Sesshaftigkeit)
- Schwierigkeit: 2/5
- URL: https://lastcodex.org/de/inventions/lime-mortar/

Kalk ist Kalkstein, im Ofen gebrannt, bis er sein Kohlendioxid abgibt, und dann mit Wasser zu einem weißen Teig oder Pulver gelöscht. Mit Sand gemischt dient er seit Jahrtausenden als Mörtel und Putz, und er erhärtet, indem er das Kohlendioxid wieder aus der Luft aufnimmt und erneut zu Stein wird.

![Kalk und Kalkmörtel · Gebrannter Stein, der wieder Stein wird](https://lastcodex.org/_astro/plate.CnvtyxDi_1z0znu.webp)

## Legende

1. Füllung aus Kalkstein
2. Holzfeuer unter dem Steingewölbe
3. Dicke Ofenwand mit innerer Auskleidung
4. Beschickungsbühne oben am Ofen
5. Ausgezogener Branntkalk
6. Löschgrube: Wasser, Dampf und Kalkteig
7. Mörtel aus Kalkteig und Sand, im Mauerwerk

## Was es ist

Kalk ist ein weißes Bindemittel aus Kalkstein, Kreide oder Muschelschalen, die alle aus Calciumcarbonat bestehen. Gebrannt wird der Stein zu Branntkalk; mit Wasser wird Branntkalk zu Löschkalk, als weicher Teig oder als trockenes Pulver. Mit Sand gemischt ergibt Löschkalk Mörtel, in den man Steine und Ziegel setzt, und Putz für Wände und Böden.

Im Mauerwerk nimmt der Mörtel langsam Kohlendioxid aus der Luft auf und wird wieder zu Calciumcarbonat, dem Stoff, aus dem er stammt. Maurer nennen diesen Rundweg den Kalkkreislauf; die Tafel folgt ihm vom Ofen links bis zur Mauer rechts.

## Wie es funktioniert

**Brennen.** Oberhalb von etwa 700 °C, zügig bei rund 900 °C, zerfällt Calciumcarbonat in Calciumoxid und Kohlendioxid, das mit dem Rauch entweicht. Reiner Kalkstein verliert dabei 44 % seines Gewichts, doch die Brocken behalten ihre Form und kommen leicht, porös und kreidig heraus. Vitruv bemerkte den Verlust und schätzte ihn auf ein Drittel.

In einem traditionellen Ofen setzt der Kalkbrenner aus großen Steinen ein Gewölbe über den Feuerkanal und füllt den Schacht darüber mit immer kleineren Stücken. Durch die Öffnung am Fuß wird zwei bis drei Tage lang Holz nachgelegt. Cato nennt um 160 v. Chr. die Zeichen eines fertigen Brandes: Die obersten Steine sind durchgebrannt, die Füllung sackt unten nach, und die Flamme schlägt mit weniger Rauch heraus. Danach kühlt der Ofen mehrere Tage ab, bevor man ihn leert.

![Ein hölzerner Bottich mit Wasser, in dem weiße Brocken Branntkalk zerspringen, darüber aufsteigender Dampf, ein Holzpaddel lehnt im Bottich](https://lastcodex.org/_astro/v1.v3EeoSin_ZqtMn8.webp)
_Das Löschen: Die Brocken quellen auf, reißen und zerfallen, während das Wasser heiß wird._

**Löschen.** Branntkalk reagiert mit Wasser zu Calciumhydroxid und gibt dabei viel Wärme ab. Das Wasser kann kochen, die Brocken quellen auf und zerfallen zu einer feinen weißen Masse. Mit reichlich Wasser entsteht Kalkteig, mit gerade genug ein trockenes Pulver, das Kalkhydrat aus dem Sack. Kalkteig wird mit der Zeit besser: Bis Mitte des 19. Jahrhunderts ließ man ihn in einer Grube oder Holzkiste einige Wochen bis zu einem Jahr reifen, abgedeckt, damit die Luft ihn nicht erhärtet.

**Abbinden.** In der Mauer bildet der Sand das Gerüst des Mörtels, und der Kalk füllt die Lücken zwischen den Körnern. Während das Wasser verdunstet, nimmt das Calciumhydroxid Kohlendioxid aus der Luft auf und wird wieder zu Calciumcarbonat. Diese Karbonatisierung beginnt an der Oberfläche und dringt langsam nach innen vor. Mörtel, der zu schnell austrocknet, bleibt schwach.

Reiner Kalkmörtel ist meist weicher und durchlässiger als die Steine oder Ziegel, die er verbindet: Die Mauer kann sich etwas setzen und trocknet weiter über ihre Fugen aus. Tonhaltiger Kalkstein liefert hydraulischen Kalk, der auch unter Wasser abbindet.

## Wie man es baut

Stückigen Branntkalk bei einem Händler für Denkmalpflege kaufen, löschen, dann Mörtel mischen und eine kleine Gartenmauer aus Bruchsteinen setzen. Wer fertigen Kalkteig nimmt, überspringt das Löschen und beginnt beim Mischen.

**Kalk löschen.** Eine Stahlwanne zur Hälfte mit Wasser füllen. Mit Schutzbrille, Handschuhen und langen Ärmeln den Branntkalk nach und nach ins Wasser geben, nie das Wasser auf den Kalk, und beim Erhitzen Abstand halten. Mit einem langen Holzpaddel umrühren. Nach dem Abkühlen durch ein Sieb in eine Tonne mit Deckel geben, den Teig unter einigen Zentimetern Wasser absetzen lassen und mindestens ein paar Wochen warten.

![Ein langer Holztrog mit weißem Kalkteig und gelbem Sand, die mit einer Hacke mit gelochtem Blatt gemischt werden, eine Kelle liegt am Rand](https://lastcodex.org/_astro/v2.BcjvPjsA_dfmpN.webp)
_Mischen von Hand: Die Mörtelhacke mit ihren Löchern arbeitet den Kalkteig in den Sand ein._

**Mörtel mischen.** Sauberen, scharfkantigen Sand mit Körnern aller Größen nehmen, einen Raumteil Kalkteig auf drei Teile Sand. Die Mischung lange mit der Mörtelhacke oder Schaufel schlagen und hacken und so wenig Wasser wie möglich zugeben. Langes Durcharbeiten macht Kalkmörtel geschmeidig und bindig; zusätzliches Wasser lässt ihn schwinden und reißen.

**Mauern und nachbehandeln.** Nur bei mindestens 5 °C und steigender Temperatur mauern, wenn für Wochen kein Frost zu erwarten ist. Die Steine anfeuchten, damit sie den Fugen nicht das Wasser entziehen. Jeden Stein in ein Mörtelbett setzen und die Fugen gut füllen. Die Arbeit mindestens eine Woche unter Jutetuch feucht und schattig halten, besprühen, sobald sie hell wird, und bei Frostgefahr mit Dämmmatten abdecken. Kalkarbeiten nie mit einem Heizgerät trocknen.

> **Sicherheit.** Branntkalk und Löschkalk sind ätzend: Sie verätzen die Haut und können blind machen. Dicht schließende Schutzbrille, Handschuhe, lange Ärmel, Stiefel und bei Pulver eine Staubmaske tragen. Gelangt Kalk ins Auge, sofort mit viel sauberem Wasser bei offenen Lidern mindestens 15 Minuten spülen und ärztliche Hilfe holen. Beim Löschen kann das Wasser kochen und spritzen, und Branntkalk hat bei Kontakt mit Feuchtigkeit schon Holz und Stroh entzündet: trocken, verschlossen und fern von Brennbarem lagern und nie in einem geschlossenen Gefäß mit Wasser versetzen. Keinen Ofen ohne behördliche Erlaubnis und erfahrene Hilfe bauen, während des Brandes vom oberen Rand fernbleiben und nie auf oder in einen noch warmen Ofen steigen. Kinder fernhalten.

## Geschichte und Entwicklung

Der älteste gebrannte Kalk stammt von Jägern und Sammlern in der Levante: Auf dem Sinai half er vor etwa 16.000 Jahren offenbar, kleine Feuersteinklingen an ihren Schäften zu befestigen. In Nahal Ein Gev II am See Genezareth wurden vor etwa 12.000 Jahren acht Menschen unter einer rund 40 cm dicken Schicht Kalkputz bestattet: Kalk wurde also schon in größeren Mengen hergestellt.

![Eine stehende menschliche Figur aus hellem Putz mit großen, schwarz umrandeten Augen; an einer Seite fehlt ein Stück und gibt ein Schilfbündel frei](https://lastcodex.org/_astro/v3.Dw39bJn7_Z19mdQj.webp)
_Eine Statue aus ʿAin Ghazal: Kalk, über mit Schnur gebundene Schilfbündel modelliert._

In den ersten Bauerndörfern bedeckte Kalkputz ab etwa 10.000 Jahren vor heute an vielen Orten Böden und Wände, und ein in den Boden eingetiefter Ofen in Nesher-Ramla in Israel ist etwa 10.400 Jahre alt. In ʿAin Ghazal bei Amman formte man 32 Statuen und Büsten aus Kalkputz über Schilfgerüsten; kalibrierte Radiokarbondaten setzen sie um 7700 bis 7500 v. Chr. an, ältere Veröffentlichungen nennen in unkalibrierten Jahren etwa 6700 bis 6500 v. Chr.

Römische Autoren hinterließen praktische Anleitungen. Catos Ofen war 10 Fuß breit, 20 Fuß hoch und oben 3 Fuß weit. Vitruv empfahl drei Teile Grubensand auf einen Teil Kalk oder zwei Teile Fluss- oder Meersand.

Nach Rom bestanden viele Mörtel aus Kalkteig und Sand aus der Gegend, etwa eins zu drei; andere waren heiß angemacht, mit Branntkalk, der im feuchten Sand gelöscht wurde, und die Rezepte wechselten von Region zu Region. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Branntkalk auf der Baustelle gelöscht. Der 1824 in Großbritannien patentierte Portlandzement verdrängte ihn nach und nach, und in den 1930er-Jahren mischten die meisten amerikanischen Maurer Zement in ihren Mörtel. In der Denkmalpflege kehrt man für alte Bauten zum Kalk zurück, denn harter, dichter Zementmörtel kann die Feuchtigkeit im Mauerwerk halten und den Verfall des Steins beschleunigen.

## Kennzahlen

- Brenntemperatur: Etwa 900 °C; die Umwandlung setzt ab rund 700 °C ein
- Gewichtsverlust im Ofen: 44 % bei reinem Kalkstein; Vitruv schätzte ein Drittel
- Traditioneller Mörtel: 1 Raumteil Kalkteig auf 3 Teile Sand
- Hitze beim Löschen: Branntkalk, der mit Feuchtigkeit reagiert, hat schon 800 °C erreicht und Holz und Stroh entzündet
- Ältester Kalkputz in großer Menge: Nahal Ein Gev II, Israel, vor etwa 12.000 Jahren

## Erfordert

- [Beherrschung des Feuers](https://lastcodex.org/de/inventions/control-of-fire/): Licht, Wärme und Kochen (vor 1 Million Jahren)
- [Steinwerkzeuge](https://lastcodex.org/de/inventions/stone-tools/): Die erste Schneide (vor 3,3 Millionen Jahren)

## Führt zu

- [Aquädukt](https://lastcodex.org/de/inventions/aqueduct/): Wasser, allein von der Schwerkraft geführt (um 690 v. Chr.)
- [Portlandzement](https://lastcodex.org/de/inventions/portland-cement/): Das Bindemittel, das unter Wasser erhärtet (1824)
- [Römischer Beton](https://lastcodex.org/de/inventions/roman-concrete/): Kalk, Vulkanasche und Bruchstein (um 200 v. Chr.)

## Quellen

- [Lime plaster cover of the dead 12,000 years ago: new evidence for the origins of lime plaster technology (Friesem, Abadi, Shaham and Grosman, Evolutionary Human Sciences, 2019)](https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10427327/), Cambridge University Press, via PubMed Central
- [A 10,400-year-old sunken lime kiln from the Early Pre-Pottery Neolithic B at the Nesher-Ramla quarry (el-Khirbe), Israel (Toffolo et al., 2017)](https://investigacion.cenieh.es/documentos/65872833e6e23719147fb5c7?lang=fr), Journal of Archaeological Science: Reports, record at CENIEH
- ['Ain Ghazal "Monumental" Figures: A Stylistic Analysis (Denise Schmandt-Besserat)](https://sites.utexas.edu/dsb/ain-ghazal/ain-ghazal-monumental-figures-a-stylistic-analysis/), University of Texas at Austin
- [Lime Plaster Statue from Ain Ghazal](https://www.worldhistory.org/image/8522/lime-plaster-statue-from-ain-ghazal/), World History Encyclopedia
- [Cato, On Agriculture, chapters 1–52 (chapters 16 and 38: the lime kiln), translated by W. D. Hooper and H. B. Ash](https://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Cato/De_Agricultura/A*.html), LacusCurtius, University of Chicago
- [Vitruvius, The Ten Books on Architecture, Book II, chapters 4–5 (sand and lime), translated by Joseph Gwilt](https://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Vitruvius/2*.html), LacusCurtius, University of Chicago
- [Introduction to lime: lime and its production](https://lime.org.uk/knowledge-base/introduction-to-lime-lime-and-its-production), Tŷ-Mawr Lime
- [Some dos and don'ts in the use of lime mortars](https://www.buildinglimesforum.org.uk/some-dos-and-donts-in-the-use-of-lime-mortars/), Building Limes Forum
- [Technical Advice Guide: Introduction to Lime in Traditional Buildings](https://scotlime.org/documents/15/Technical_Advice_Guide_Introduction_to_Lime_in_Traditional_Buildings_1.pdf), Scottish Lime Centre Trust
- [Preservation Brief 2: Repointing Mortar Joints in Historic Masonry Buildings (Mack and Speweik, 1998)](https://www.nps.gov/orgs/1739/upload/preservation-brief-02-repointing.pdf), U.S. National Park Service
- [A case study in lime production no. 1: traditional batch techniques at Chenkumbi, Malawi](https://kolibri.teacherinabox.org.au/modules/en-practical_action/Construction/Cement%20and%20binders/KnO-100090_Lime_production_traditional_Chenkumbi_Malawi.pdf), Practical Action
- [Lime production: traditional batch techniques in Patarra, Costa Rica](https://samplecontents.library.ph/en-practical_action/Construction/Cement%20and%20binders/KnO-100089_Lime%20production%20-%20Traditional%20batch%20techniques%20in%20Patarra%20%20Costa%20Rica,%20case%20study/page2.html), Practical Action
- [Calcium oxide: chemical datasheet (with NIOSH Pocket Guide first aid)](https://cameochemicals.noaa.gov/chemical/311), CAMEO Chemicals, U.S. National Oceanic and Atmospheric Administration

Fakten geprüft am 2026-10-13.

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